#4 Was passiert eigentlich im Notfall?

Bernd Leave a Comment

Natürlich definiert jeder für sich eine Notfallsituation anders. Nach der Episode 3 erhielt ich einige Anfragen aus dem Bereich Vorsorgevollmacht, die mir verdeutlichten, dass den Meisten von Euch gar nicht klar ist, was in einer konkreten Notfallsituation abläuft.
Hier ist die Situation gemeint, in der du durch einen Unfall oder eine Krankheit selber nicht mehr in der Lage bist dich zu äußern.

Stellvertretend dafür möchte ich von Familie Schmitz sprechen. Herr Schmitz hatte einen Autounfall.
Er hat schwere Kopfverletzungen, kann sich selber nach einem Unfall nicht mehr äußern und wird jetzt aufgefunden.

Wir alle haben da ich immer die gleiche Einstellung, so von wegen:
Warum sollte ich mir über einen Notfall Gedanken machen?

Mir passiert doch nichts

oder das Amt zahlt für mich – es ist ja alles geregelt. Das ist so eine Sache, die wir gerne vor uns herschieben und nicht regeln. Genau das hat dann im Notfall ganz bestimmte Konsequenzen, die ich heute mit dir besprechen möchte.

Eigentlich sollte sich jeder grundsätzlich die Frage stellen:
Warum sollte ich überhaupt einen Notfallplan anlegen?
Warum ist das für mich so wichtig?

Das kann ich am Beispiel von Herrn Schmitz ganz gut erklären. Wenn ich nämlich alle Situationen für den Notfall geregelt habe, mache ich es nicht nur mir leichter, weil ich weiß, dass alles geregelt ist – ich mache es auch meiner Familie oder meinem Partner leichter, weil die wissen, dass alles so geregelt ist, wie ich es gerne hätte.

Nur für ältere Menschen?

Viele denken ja auch, das ist ein Thema, was nur ältere Menschen betrifft. Letzten Endes sind wir, sobald wir Volljährig sind, vor dem Gesetz alle gleich. Ein Unfall kann jeden treffen, da reicht schon, dass ich mal zu lange mit dem Handy am Steuer sitze. Schon ist die Mauer schneller da, als ich gedacht habe und schon tritt der Notfall ein.
Wenn ich einen Notfallplan habe, ist das gleichzeitig eine Informationsquelle für alle die, die sich um mich kümmern sollen und dürfen. Wenn ich mir dann die Statistiken anschaue, wer überhaupt nur ein Testament hat, obwohl das die einfachste Vorsorgemöglichkeit ist: Was passiert überhaupt wenn ich sterbe?
Selbst das Testament haben nur ca. 25% der Bevölkerung und die restlichen 75% Bevölkerung gehen immer noch den “einfachen” Weg und haben gar nichts geregelt.
Das sieht beim Thema Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung nicht wesentlich anders aus. Auch da sind nur 20-25% der Bevölkerung abgesichert. Die anderen 75-80% verlassen sich auf die staatliche Regelung. Die gibt es zwar, aber ob es dann die Regelung ist, die ich im Notfall gerne für mich hätte – das lasse ich jetzt einfach mal dahingestellt.

Kommen wir wieder zu unserem Herrn Schmitz zurück, der den Autounfall hatte und im Koma liegt. Jetzt frage ich dich einfach mal:

Wer entscheidet denn jetzt für Herrn Schmitz?

Er kann sich selber nicht mehr äußern, er kann keine Entscheidung treffen. Wer entscheidet für Ihn jetzt alles zum Thema Gesundheit oder zum Thema Aufenthalt/Unterbringung. Wo soll er im Krankenhaus untergebracht werden? Wer regelt seine finanziellen Angelegenheiten?
Oft kommt hier die Antwort: “Dafür habe ich ja meine Eltern bzw. wenn ich verheiratet bin, regelt das ja mein Ehepartner.”
Das ist nicht so.
In Deutschland gibt es keinen Automatismus. Da gibt es den Paragraphen 1896 im bürgerlichen Gesetzbuch, der ganz klar regelt, dass Ehepartner, Verwandte und Familienangehörige eben nicht zur automatischen Vertretung berechtigt sind.
Das führt zwangsläufig dazu, dass Frau Schmitz, wenn sie jetzt zu Ihrem Mann ins Krankenhaus eilt, neben dem Krankenbett sitzt und keinerlei Entscheidungen zu gesundheitlichen Fragen oder weiteren Entscheidungen treffen darf. Es wird ein gerichtlicher Betreuer eingesetzt. Den Ablauf erkläre ich dir dann gleich auch noch mal im Einzelnen. Frau Schmitz sitzt praktisch daneben und kann zugucken, wie andere Leute Entscheidungen treffen, was mit Ihrem Mann geschehen soll.

Sicherlich kannst du dir denken, wie sie sich fühlt!

Genauso wird das dann mit den Finanzen gehandhabt. Wenn Gelder aus einer Unfallversicherung fließen, landet das Geld auf einem sogenannten Sperrkonto.
Frau Schmitz darf da nicht dran, es wird alles von einem gerichtlichen Betreuer geregelt.

Die Notfallsituation

Notfallsituation
Ich habe also auf der einen Seite die Notfallsituation: Herr Schmitz kann sich selber nicht mehr äußern und kommt ins Krankenhaus. Im Krankenhaus wird sofort eine Anfrage beim Betreuungsgericht gestellt. Das ist am örtlichen Amtsgericht.
Liegen für Herrn Schmitz Vorsorgevollmachten und Patientenverfügung vor?
Das Amtsgericht nimmt Kontakt mit dem zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer auf. Die sind elektronisch miteinander verbunden. Wenn da nichts hinterlegt ist, bekommt das Amtsgericht direkt die entsprechende Rückmeldung.
Und schon heißt das, dass Frau Schmitz “aus dem Rennen ist” und ein gerichtlicher Betreuer bestellt wird, der dann alles regeln darf bzw. muss. Frau Schmitz ist außen vor und kann nichts regeln.

Wenn wir uns dann anschauen, wie viele Notfälle passieren und 92% aller Anfragen beim zentralen Vorsorgeregister negativ beschieden werden, also keinerlei Vollmachten und Verfügungen hinterlegt sind, ist das schon erschreckend.
In absoluten Zahlen bedeutet das, dass in den letzten Jahren von knapp 1,2 Mio. Anfragen, also von echten Notfällen, beim Vorsorgeregister lediglich 90.000 Familien Vollmachten hinterlegt hatten.
Das heißt auf der anderen Seite, dass über 1,1 Mio. Familien fremdbestimmt sind, was die Entscheidungen für denjenigen angeht, der durch Krankheit oder Unfall sich selber nicht mehr äußern kann. Möchtest Du das?

Was passiert, wenn keine Vorsorgevollmacht vorliegt:


Wenn du dann auch noch weißt, dass dieser gesetzlicher Betreuer eine fremde Person ist, die monatlich bis zu 352€ geltend machen kann, die aus dem Privatportmonee des Betroffenen bzw. der Familie bezahlt werden, setzt das dem Ganzen noch die Krone auf.
Deswegen solltest du dir Gedanken machen, ob du nicht selber eine anderweitige Regelung treffen möchtest, damit dir das nicht passiert.
Du weißt ja nicht, wann sich die Notfallsituation ändern wird oder ob sie sich überhaupt noch einmal verändert.

Natürlich hat der Staat auch eine Möglichkeit offen gehalten.
Der Paragraph 1896, den ich anfangs schon erwähnt habe, hat einen Unterpunkt, der besagt, dass gegen den freien Willen des Volljährigen ein gerichtlicher Betreuer nicht bestellt werden darf.
Damit ist dann die Vorsorgevollmacht gemeint, die ich in Episode 3 ja schon erläutert habe.
Wenn ich eine Vorsorgevollmacht habe, kann ich darin regeln, WER im Fall des Falles WAS für mich regeln darf. Seien es die gesundheitlichen Fragen oder die finanziellen Fragen, Krankenhaus, Unterbringung, Pflegeheim oder eben Behördengänge, Post. Und darum ist sie so wichtig für dich.

Du siehst, das Thema ist sehr komplex und bedarf sicherlich einer Vertiefung. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich dich ein bisschen sensibilisieren konnte.

Ich kann dir sehr empfehlen: regele diese Sachen, auch wenn es zunächst unangenehme Themen sind!
Du machst es nicht nur dir, sondern auch der Familie wesentlich leichter.

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